Erfrierung der Haut

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Schwere Erfrierungen führen zu irreparablen Gewebeschäden

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Eine Erfrierung beschreibt die Schädigung von Gewebe nach einer Kälteeinwirkung. Je nach Tiefe der Erfrierung können die Schäden kurzfristig sein oder zu schweren dauerhaften Defekten führen.
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Körperbereiche wie Finger, Nase und Zehen sind besonders oft von Erfrierungen betroffen. Starke Kälte gemeinsam mit Wind und Nässe begünstigen das Auftreten von Erfrierungen.
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Erfrierungen entstehen nicht nur bei kaltem Wetter, sondern auch durch die Berührung von eingefrorenen Gegenständen und Substanzen wie Trockeneis oder Flüssiggas. Entsteht die Kälteschädigung plötzlich, wird von einer Kälteverbrennung gesprochen.
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Oft ist der Grund für Erfrierungen zu wenig Bekleidung bei Temperaturen unter null Grad Celsius. Meist sind hervorstehende Körperteile wie Ohren, Nase, Finger und Zehen betroffen. Wenn der Körper oder die Kleidung nass ist, wird schneller Kälte entzogen. Weht dazu noch Wind, verstärkt sich der Effekt.
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Es gibt einige Personengruppen, die besonders gefährdet sind, eine Erfrierung zu erleiden. Vor allem obdachlose Menschen sind im Winter nicht ausreichend vor Kälte geschützt und erleiden oft Erfrierungen. Auch Menschen, deren Sensibilität aufgrund von Alkoholkonsum oder Drogenkonsum beeinträchtigt ist, sind gefährdet, eine Erfrierung zu erleiden.
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Eine weitere Risikogruppe stellen Wintersportler da. Wer in kalte Gebiete vordringen möchte, sollte sich immer gut vorbereiten und eine entsprechende Ausrüstung anschaffen. Handelt es sich um sehr dünn besiedelte oder nicht stark besuchte Gebiete, ist es ratsam, in der Gruppe zu reisen.
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Erfrierungen werden in drei Schweregrade eingeteilt. Bei einer Erfrierung ersten Grades verengen sich die Gefäße. Die Stelle fühlt sich oft taub an und die Haut wird blass, auch können Schmerzen auftreten. Wird der Bereich wieder erwärmt, kommt es zu Juckreiz und einer Rötung der Haut. Nach einiger Zeit vergehen die Beschwerden wieder.
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Eine Erfrierung des zweiten Grades geht bis in die Lederhaut. An der betroffenen Hautstelle kommt es nach einigen Stunden zur Blasenbildung. Diese Blasen können mit Flüssigkeit oder Blut gefüllt sein. Zudem entstehen schmerzhafte Schwellungen von blass-violetter Farbe, sogenannte Frostbeulen. Eine Erfrierung zweiten Grades heilt für gewöhnlich narbenfrei aus.
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Bei einer Erfrierung dritten Grades sind sehr tiefe Hautschichten betroffen, es kann zu unwiderruflichen Schäden kommen. Es kommt zu einem Absterben von Gewebe, was als Gangrän bezeichnet wird. Dies zeigt sich als verhärtete, bläulich-schwarze Stelle, in der der Betroffene kein Gefühl mehr hat. Oft ist eine Amputation unumgänglich.
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Bei Verdacht auf eine ernsthafte Erfrierung sollte das Gespräch mit dem Arzt gesucht werden. Dieser untersucht das Gewebe und beurteilt den Grad der Erfrierung. Bei Erfrierungen dritten Grades ist eine Beurteilung der Schwere oft erst nach Wochen möglich.
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Bei leichten Erfrierungen sollte das betroffene Körperteil so bald als möglich wieder erwärmt werden, jedoch ist darauf zu achten, dass die Erwärmung nur langsam erfolgt. Das verwendete Wasser darf nicht zu warm, sondern teilweise sogar kühl sein. Es gilt zu bedenken, dass zu warmes Wasser im Vergleich zur erfrorenen Stelle so heiß wie kochendes Wasser sein kann. Bei einer zu schnellen Erwärmung kann es sonst zu Verbrühungen kommen.
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Am Anfang kommt es bei der Erwärmung zu Schmerzen, da der Blutfluss erst langsam wieder angeregt wird. Der Betroffene sollte sich auch von innen aufwärmen beispielsweise durch das Zuführen von warmen Getränken. Besonders bei einer Unterkühlung ist dies wichtig, da sonst die Temperatur an der erfrorenen Stelle nicht wieder erhöht werden kann.
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Ist die Erfrierung oder Unterkühlung so stark, dass eine Behandlung im Krankenhaus oder beim Arzt notwendig wird, kommen intravenöse Medikamente zum Einsatz. Hierbei wird auf gefäßerweiternde Mittel, Gerinnungshemmer und bei Bedarf auf Schmerzmedikamente zurückgegriffen. Hochgradige Erfrierungen erfordern oft den Einsatz von Antibiotika, um Infektionen zu verhindern.
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Massagen sollten bei Erfrierungen eher vermieden werden, weil dadurch eine Thrombose gelöst und in den Kreislauf gelangen kann. Dieser Vorgang wird als Embolie bezeichnet und kann schwerwiegende Folgen haben. Das Reiben der betroffenen Stelle mit Schnee oder Textilien, sowie das Öffnen von Blasen sollte unterlassen werden.
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In den meisten Fällen handelt es sich um leichte Erfrierungen - insbesondere wenn Schmerzen auftreten, ist die Erfrierung meist nur oberflächlich. Schützen Sie sich ausreichend mit warmer Kleidung, es ist immer besser eine Schicht auszuziehen als eine zu Schicht zu wenig zu haben. Oft hilft es, auf gefährdeten Stellen eine Fettcreme aufzutragen, die Feuchtigkeit abhält und vor Wind schützt.



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aktualisiert am 02.11.2018

Autoren
V. Kittlas Volker Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt
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