Rheumatisches Fieber

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Eine Infektion mit Streptokokken kann rheumatische Erscheinungen zur Folge haben

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Das rheumatische Fieber ist eine entzündliche Erkrankung, die als Folge einer bakteriellen Infektion auftritt. Die Erkrankung wird auch als Streptokokkenrheumatismus bezeichnet, da die Infektion von Streptokokken der Gruppe A ausgelöst wird. Es handelt sich also um eine Autoimmunerkrankung.
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Am häufigsten kommt das rheumatische Fieber bei Kindern im Alter zwischen 5 und 15 Jahren vor, es kann aber auch im Erwachsenenalter auftreten. Bei älteren Menschen mit rheumatischen Fieber verlaufen die Symptome oft untypisch und schwierig zu erkennen.
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Länder mit hohem Lebensstandard haben eher wenige Fälle von rheumatischem Fieber. Durch den Zugang zu sauberen Wasser und das regelmäßige Waschen der Hände mit Seife wird die Möglichkeit der Ansteckung verhindert. Zudem bekämpft eine Antibiotikatherapie die Streptokokken und verhindert so eine größere Infektion. Aus einer Streptokokkeninfektion entsteht aber nicht immer ein rheumatisches Fieber.
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Die genaue Entstehung des rheumatischen Fiebers ist noch nicht bekannt. Sicher ist, dass es zunächst zu einer Streptokokken-Infektion kommt, die das rheumatische Fieber auslöst. Nach einer fehlgeleitete Immunreaktion auf die Infektion kann das rheumatische Fieber auftreten. Die Antikörper greifen nicht nur die Bakterien an, sondern richten sich auch gegen das eigene Gewebe. Es kommt zu entzündlichen Reaktionen, die sich besonders an den Gelenken und an Organen wie dem Herz zeigen.
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Das eigentliche rheumatische Fieber tritt ein bis drei Wochen nach der bakteriellen Infektion ein. Die vorangegangene Infektion kann bereits Beschwerden verursacht haben oder symptomlos verlaufen sein. Das rheumatische Fieber selbst zeigt sich durch plötzlich auftretendes Fieber in Kombination mit Gelenkschwellungen. Besonders die großen Gelenke, sowie die körpernahen Gelenke sind schmerzhaft entzündet. Die Arthritis entwickeln vor allem Erwachsene.
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Die Ausprägung des rheumatischen Fiebers kann unterschiedlich verlaufen. So können auch Organe und die Haut von der Erkrankung betroffen sein. An Teilen des Herzens kann es zu Entzündungen kommen, die sogenannte rheumatische Karditis. Diese tritt vor allem bei Kindern und Jugendlichen auf. Breitet sich die Entzündung auf die innere Schicht des Herzens aus, dann können bleibende Schäden an den Herzklappen entstehen. Führt das rheumatische Fieber zu einer Entzündung an der Muskelschicht des Herzens (Myokarditis), dann sind meist Herzrhythmusstörungen die Folge.
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Wochen bis Monate nach der Erkrankung kann sich eine Chorea minor bemerkbar machen. Bei der Störung kommt es zu plötzlichen ungewollten und unkoordinierten Bewegungen. Auch die Reflexe und die Muskelspannung sind geschwächt. An der Haut kommt es zu rötlichen, schmerzenden Knötchen und auch am Rumpf können ringförmige Rötungen auftreten.
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Während des Untersuchungsgesprächs mit dem Arzt stellt sich oft heraus, dass es zuvor eine Infektion gab. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Gelenke und die Haut beurteilt, auch ist es wichtig das Herz abzuhören. Zudem folgt eine neurologische Untersuchung und eine Blutabnahme. Um Veränderungen am Herzen festzustellen, wird ein Elektrokardiogramm durchgeführt. Auch eine Ultraschalluntersuchung kann angebracht sein.
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Die Diagnose gilt als bestätigt, wenn die vorherige Infektion mit Streptokokken nachgewiesen ist und mindestens ein Major-Kriterium für rheumatisches Fieber festgestellt wurde.
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Die Behandlung des rheumatischen Fiebers erfolgt in der Regel durch die Gabe von Antibiotika, um die Streptokokken zu beseitigen. Je nachdem wie weit die Infektion fortgeschritten ist, kann die Gabe weiterer Medikamente erforderlich sein. Der Patient bekommt Bettruhe verordnet und muss sich zunächst schonen.
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Bleibt der Erreger im Körper, zum Beispiel an den Mandeln, kann eine operative Entfernung sinnvoll sein. Die Operation wird erst nach dem Abklingen des rheumatischen Fiebers durchgeführt.
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Zur Vorbeugung eines rheumatischen Fiebers sollten Infektionen im Nasen-Rachen nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sondern immer von einem Arzt kontrolliert werden.
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Die Prognose hängt davon ab, ob das Herz von der Krankheit betroffen ist. Ohne eine Beteiligung des Herzens heilt ein rheumatisches Fieber in der Regel ohne weitere Folgen ab.



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aktualisiert am 11.12.2018

Autoren
V. Kittlas Volker Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt
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